Reederei Sauber Gebr.

Von der Gründung bis zum ersten Seedampfer

1839

Die Reederei und Kohlenfirma Sauber Gebr. wurde am 6. Juli 1839 in Hamburg von den Brüdern Johann Sauber (* 1810; † 1878) und Carl Sauber (* 1813; † 1849) gegründet. Sauber Gebr. befasste sich zunächst ausschließlich mit der Einfuhr und dem Vertrieb englischer Steinkohle. Durch die florierende Entwicklung des Kohlengeschäfts angeregt, beschloss die Firma eigene Schiffe in Dienst zu stellen. 

1845

So wurde 1845 die Galiote Rebecca und Johanna - benannt nach den Ehefrauen der beiden Eigner - angekauft. Ein Schiff von 314 Tonnen Tragfähigkeit. Kapitän Otto Büxen und sieben Seeleute bildeten die Besatzung, die sieben Jahre lang zwischen Hamburg und Sunderland hin und her fuhren und englische Steinkohle in die Hansestadt brachten.

Im Laufe der nächsten Jahre wurden weitere Segelschiffe von der Reederei in Fahrt gesetzt, die alle in der Kohlenfahrt von England Verwendung fanden. Dazu gehörte auch die Galiote Steinwärder.

1849 blieb Carl Sauber auf See

Die Steinwärder war drei Jahre in der Kohlenfahrt nach England gesegelt. Sie besaß so gute Segeleigenschaften, dass man ihr eine Fahrt über den Atlantik und um Kap Horn zutraute. Trotz ihrer geringen Größe wurde sie für diesen Zweck von der bekannten Exportfirma T. E. und C. Vidal gechartert. In Kalifornien war das Goldfieber ausgebrochen. Ein Kaufmann, der ein Schiff, beladen mit den lebensnotwendigsten Dingen, nach San Francisco bringen konnte, war ein gemachter Mann. Im Frühling 1849 wurde die Steinwärder befrachtet, und der junge Amandus Kratzenstein, Sohn eines Hamburger Maklers, begleitete die Ladung als als Superkargo. Carl Sauber selbst, der jüngere der beiden Reeder, und sein Schwager Fritz Stöver schifften sich mit ein. Die Mannschaft war auf neun Mann erhöht, da es ja galt Kap Horn zu runden. Am 25. März geriet der Segler in einen schweren Sturm, der sie auf die Sandbänke vor Essex warf. Die gesamte Besatzung und die drei Passagiere kamen ums Leben. Der Tod des Bruders und der Verlust des Schiffes waren ein schwerer Schicksalsschlag für Johann Sauber. Das lähmte seine Tatkraft jedoch keineswegs.

1852 erwarb er die 664 Tonnen tragende Bark Andreas. Zusammen mit der Reederei Wachsmuth & Krogmann richtete er einen Dampferverkehr zwischen Hamburg und Harburg ein.

1853

Bark "Andreas"

Die Bark Andreas verließ am 6. Juli 1852 mit einer 15-köpfigen Besatzung den Hamburger Hafen in Richtung Übersee. Im Dezember starben in Westindien innerhalb von Tagen Zimmermann, Koch und zwei Matrosen an Gelbfieber. Auf der Rückreise von Honduras verliert das Schiff auch den zweiten Steuermann und havariert. Die Besatzung wurde gerettet, das Wrack verkauft. Der Rest der Heuer wird an die Besatzung ausgezahlt. Diesen wirtschaftlichen Verlust konnte Johann Sauber nur schwer verkraften. Im Herbst 1853 ging die Witwe von Carl Sauber eine neue Ehe ein. Johann Sauber konnte sie nicht auszahlen, aber er versprach in anderer Weise für ihre beiden kleinen Söhne zu sorgen. Die Rebecca und Johanna musste verkauft werden, ebenso der Schlepper Pilot und die Christine Marie. Nur so konnte sich die Firma über Wasser halten. Dieses Jahr war das schwerste und verlustreichste in der Frühzeit der Firma. Das Reedereigeschäft wurde stillgelegt und nur noch der Kohlenhandel beibehalten.

Da die Witwe von Carl Sauber durch die Wiederverheiratung aus der Firma ausschied, war Johann Sauber jetzt alleiniger Inhaber von Sauber Gebr.

 

 

Vom ersten Seedampfers bis zum 75-jährigen Firmenjubiläum

1871 

Dampfer "John Sauber" im Hamburger Hafen
Dampfer "John Sauber" 1872 im Hamburger Hafen

Erst 20 Jahre später konnte die Firma den Reedereibetrieb erneut aufnehmen. 

In Hamburg gab es erst 36 Seedampfer, während  400 Segelschiffe hier beheimatet waren. Der zweite Sohn, Herman Sauber, trat in die Firma ein.

Ein neues Schiff, diesmal ein Dampfer, wurde auf der Hamburger Reiherstieg-Werft in Bau gegeben. Die John Sauber lief 1872 zur ersten Reise nach England aus und setzte zum ersten Mal die neue Kontorflagge, das blaue S im roten Hanseatenkreuz auf weißem Grund. Die alten Flaggenfarben rot und gelb wurden als Schornsteinfarben übernommen. 

Drei Jahre lang holte dieser erste Sauber-Dampfer Kohlen von England nach Deutschland. Bis er 1874 auf einer Reise von Sunderland heimkehrend in der Nordsee plötzlich spurlos verschwand. Wieder ein schwerer Schlag.

Doch schon ein Jahr danach wurde ein neuer, doppelt so großer Dampfer, mit dem Namen Herman Sauber in Dienst gestellt. Eines Tages kehrte auch dieser nicht mehr heim. Er ging nach sechsjähriger Dienstzeit verloren und blieb verschollen. Trotzdem war die Anschaffung der Dampfer ein großer wirtschaftlicher Erfolg, der es ermöglichte, sich am Hamburger Schiffbau zu beteiligen. 

1873

Die Firma Sauber Gebr. wurde Teilhaberin der Schiffswerft Heinrich Brandenburg, die schon seit 1845 auf Steinwärder existierte. Mit dem Saubererschen Kapital wurde die Werft erheblich ausgebaut. Die kaufmännische Leitung ging in die Hände der Reederei Sauber über, die zu 50 Prozent an der Werft beteiligt war. Nun konnte Johann Sauber noch erleben, dass die von ihm und seinem Sohn Herman geleitete Werft einen glänzenden Aufschwung nahm. Heinrich Brandenburg baute Schuten und Schlepper und reparierte die Seedampfer der Reederei Sauber Gebr. Die Produktpalette reichte von Arbeitsschiff bis Zolldampfer.

Heinrich Brandenburg war auch eine bedeutende Maschinenfabrik und Kesselschmiede. Zuletzt hatte die Werft 450 bis 600 Arbeiter und Angestellte. Zu Spitzenzeiten auch mal 900.

1878

In seinen letzten Lebensjahren verlegte Johann Sauber seine Privatwohnung aus der Albertstraße nach der Uhlenhorst an den Langen Zug. Hier starb er siebenundsiebzig jährig im Januar 1878, nachdem er fast 40 Jahre die von ihm gegründete Firma geführt hatte. Er hatte erreicht, was er angestrebt hatte: Reederei, Kohlenhandel und die halbe Partnerschaft an einer bedeutenden Schiffswerft. Johann Sauber hinterließ seinem einzigen ihn überlebenden Sohn Herman Carl Sauber, der damals 35 Jahre alt war, ein vielseitiges und wohl fundiertes Unternehmen, das dieser erfolgreich weiterführte. Der 1840 erstgeborene Sohn John Sauber war 1863 in die USA ausgewandert und blieb dort verschollen.

1881

Nachdem 1881 die Herman Sauber verloren gegangen war, gab die Firma 1883 die Emma Sauber bei der Reiherstiegwerft in Auftrag. 1888 folgte die Helene Sauber von der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft. Emma Sauber und Helene Sauber waren außerordentlich glückliche Schiffe. 1896 gelang es Emma Sauber 55 Fahrten von Hamburg nach Sunderland und zurück zu machen. Die Zeiten hatten sich geändert. 1852 war es eine besondere Leistung des Seglers Rebecca und Johanna gewesen, dass er die gleiche Strecke in einem Jahr siebenmal zurückgelegt hatte. Nicht Matrosen, sondern Schauerleute konnten jetzt in zehn Stunden die Ladung löschen. Die Helene Sauber, die auch mehrere Reisen nach Westafrika machte, fuhr zehn Jahre ohne jede Kollision unter Kapitän Kruse. Nachdem diese beiden Schiffe mehr als 20 Jahre für die Reederei gefahren waren, wurden sie verkauft. 1906 besaßen Sauber Gebr. bereits vier Dampfer, mit denen rund 342.000 t Kohlen eingeführt wurden, eine Menge, die 1913 auf 696.000 t anstieg.

1894

Ende 1894 erlag Herman Sauber erst 50-jährig seiner Tuberkulose-Erkrankung. Zuvor hatte er versucht, sich bei Reisen und Regatten auf seiner Luxusyacht Volante Erleichterung an der reinen Seeluft zu verschaffen. 

Baujahr 1889
Baujahr 1889

Die "Volante" war,

nach Nach Kaiser Wilhelms "Meteor" das größte und luxuriöseste Schiff der "deutschen Lustflotte".

 

1939 gratuliert der Kaiser zum 100-jährigen Geschäftsjubiläum und erwähnt auch die Leistungen derVolante für den deutschen Segelsport.

 

Nach dem Tod Herman Saubers wurde seine Witwe Emma Sauber alleinige Inhaberin der Firma Sauber Gebr., da der einzige Sohn Herman Johann Matthias erst 12 Jahre alt war. 

Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Firma in den folgenden Jahren äußerst erfolgreich.

Die Werft Heinrich Brandenburg war 1897 in eine Kommanditgesells-chaft umgewandelt worden, in der Emma Sauber als Kommanditistin verblieb.

Emma Sauber war eine großzügige Mäzenatin der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung.1903 wurde auch ihr Sohn Herman persönlich haftender Gesellschafter der Werft. 1913 wurde Herman Sauber Hamburger Handelsrichter.

Zuletzt beschäftigte die Werft 450 bis 600 Arbeiter und Angestellte. Größere Investitionen wurden nötig, um sie gründlich zu modernisieren. Wegen Personalquerelen brachten Heinrich Brandenburg und die Gesellschafter Sauber Gebr. das erforderliche Kapital aber nicht auf. Heinrich Brandenburg wurde 1912 an die Reiherstiegwerft verkauft, nachdem sich langwierige Fusionsverhandlungen mit der benachbarten Stülckenwerft zerschlagen hatten.

1902

Martha Sauber Haus, 1952
Martha Sauber Haus, 1952

Im Allgemeinen Krankenhaus Wandsbek wurde 1902 das Martha-Sauber-Haus erbaut. Es wurde nach seiner Stifterin benannt. Seit ihrer Geburt litt Martha an einer Hüftluxation und hinkte zeitlebens. Trotzdem hat sie als Mitglied der Johanniter Schwesternschaft im AK Wandsbek gearbeitet.

1903

Friedrich Schaper malte im Auftrag von Henry B. Simms das Geburtshaus seiner Frau Gertrud. Hier verbrachte die Familie Sauber die Sommermonate in Wandsbek.

Das 1903 geschaffene Ölgemälde ist im Besitz der Familie Simms.

 

1908

Im damals noch ländlichen Wandsbek hatte Herman Sauber 1882 Besitz erworben. Hier lebte er mit seiner Frau Emma Johanna, geb. Bösch in den Sommermonaten in der Schillerstraße 48 (heute Schlossgarten). Den Winter über lebten sie Mittelweg 151. Das Paar hatte acht Kinder: Herman, Helene, Gertrud, Else, Martha, Anna, Hedwig und Emma. Gertrud Sauber heiratete 1895 den wohlhabenden Hamburger Kaufmann und Kunstsammler Henry B. Simms. Auch Else heiratet einen Hamburger Unternehmer: Albert Kaumann. Helene heiratete 1896 Konrad Engel, einen Kommanditisten der Werft Heinrich Brandenburg. Anna Hariett heiratete Eduard Kannengiesser, den Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Hamburg. Martha blieb unverheiratet.  Hedwig heiratete Waldemar von Holten und Emma heiratete in die Familie Gädeke ein.

Radierung D. DALMER

 

Eine Ansichtskarte mit diesem Motiv ist von Emma Sauber geschriebenen und adressiert an:

Dr. J. Goldschmidt aus Paris im Regina Palast-Hotel München

Lieber Herr Doctor, Herzl. Dank für Ihre lieben Zeilen. Wie sehne ich ein Wiedersehen herbei, doch kann ich leider in diesem Sommer weder in die Berge gehen noch Kunst schwelgen! Bayreuth und München muss ich mir versagen. Es geht mir zwar viel besser, aber ich werde im Oktober eine Kur in Wiesbaden vornehmen. Darf ich Sie und Ihre liebe Frau hier in Hamburg im September sehen? Else K. sagte uns, es wäre möglich. Unendlich erfreuen würden Sie uns alle. Martha ist seit 7 Wochen wieder bei mir und so weit hergestellt, dass sie im Herbst ihren Beruf wieder aufnimmt. Meine Gertrud Simms ist heute nach Kreuth gereist, ob sie sich in München sehen werden? Sehr herzliche Grüsse Ihnen ...

 

Die paar Zeilen sind ein Glücksfall. Emma Sauber erwähnt ihre drei Töchter und offenbart ihre Liebe zu den Bergen in Bayern, zu Wagner in Bayreuth und beklagt allgemein die Unpässlichkeiten des Lebens.


1909

 Quelle: Tham Körner

Von 1883 bis 1887 war Capt. Thomas Claasen Körner Kapitän auf der Betty Sauber. Anlässlich seines Todes schickte Emma Sauber dieses Kondolenzschreiben aus dem Hotel Bristol in Bozen:

 

8. September 1909.

An die liebe Familie des

verstorbenen Herrn Kapitän Körner,

 

Hierher auf meiner Erholungsreise

erhalte ich die traurige Nachricht von

dem Hinscheiden Ihres geliebten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters und sage ich Ihnen allen im Namen meiner Familie unsere herzliche Teilnahme.

Die Tüchtigkeit, Treue und Freundlichkeit werden wir immer in Gedanken behalten. Des Verstorbenen Aufrichtigkeit zu uns hat mich sehr erfreut und war ich dankbar, dass ein schöner Lebensabend ihm beschieden war.

Mit einem warmen Gruß für alle Hinterbliebenen

Frau Emma Sauber

Quelle: Tham Körner 

1911

Der stolze Schimmelreiter auf seiner fünfjährigen englischen Stute ist Herman Sauber. Er wurde 1969 im Hamburger Abendblatt von seinem Sohn Robert identifiziert, der in dieser Angelegenheit einen Leserbrief schrieb.

Das Bild zeigt auch das Saubersche Haus am Harvestehuder Weg 3. Hier hat die zu der Zeit sehr wohlhabende Familie 19 Jahre lang gelebt. Robert, Albert und Herbert sind hier aufgewachsen. Das Haus steht nicht mehr. 

Eine hübsche Geschichte, allerdings gibt es Unstimmigkeiten.

Das Foto entstand vermutlich im Hamburger Stadtpark oder im Eppendorfer Moor.

Herman Sauber war passionierter Reiter.

Hier gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Emily bei einem Ausritt im Hamburger Stadtpark oder im Eppendorfer Moor.

 

 

 

 

 

 

1914

Die Firma konnte zufrieden auf das 75-jährige Bestehen zurückblicken.  Sie war finanziell bestens aufgestellt und besaß alle technischen Neuerungen und praktischen Einrichtungen, die für einen Reedereibetrieb, Hafenumschlag und Platzhandel notwendig waren.

 

 

 

 

 

 

 

   

 

Vom ersten Weltkrieg bis zum 100-jährigen Bestehen

In den letzten Tagen vor Ausbruch des Krieges gelang es der Firma Sauber Gebr. ihre Seedampfer nach Hause zu beordern. Alle erreichten ihren Heimathafen Hamburg. In den folgenden vier Jahren kam das Geschäft der Firma zum Erliegen und konnte in den ersten Nachkriegsjahren nur schwer wieder in Gang gebracht werden. Wegen des allgemeinen Brennstoffmangels beutete die Firma ein Torfmoor in der Nähe von Lübeck aus; einer der Kapitäne übernahm die Leitung. Selbst mit der Rodung von Baumstümpfen befasste sich die Firma in dieser schwierigen Zeit. Erst 1920 konnte wieder die erste Ladung Kohle zur Verschiffung nach Hamburg in Holland gekauft werden. Diese Kohlen waren als amerikanisch deklariert, entpuppten sich aber als deutsche Reparationskohle, die in Rotterdam in großen Mengen angeboten wurde, während in Hamburg Brennstoffmangel herrschte.

Herman Sauber und ein Großteil der Angestellten wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Die geschäftliche Tätigkeit war sehr erschwert. Der Dampfer John Sauber wurde von der Kriegsmarine in Dienst gestellt.

Nach Kriegsende kehrte Herman Sauber als Rittmeister der Reserve nach Hause zurück und übernahm wieder die Geschäfte.

 

Allerdings war die Firma ohne Betätigungsfeld. Sie besaß kein Seeschiff mehr, da die Seedampfer an die Siegermächte abgeliefert werden mussten. Sie besaß auch keinen Schlepper mehr, sondern nur noch sieben Schuten. Der Platzhandel war geschrumpft.

1920

Im April 1920 starb der Teilhaber Ernst Commentz, der 45 Jahre für die Firma tätig gewesen war. Über drei Generationen hinweg war er enger Mitarbeiter der Familie Sauber gewesen und hatte nach dem frühen Tod von Herman Sauber große Verantwortung getragen.  

1922

Emma Sauber zog sich aus dem Geschäftsleben zurück. Ihr Sohn Herman Johann Matthias Sauber übernahm die Leitung und wurde nach Emma Saubers Tod 1928 Alleininhaber der Firma.

Im November 1922 wollte Herman Sauber zusammen mit einem Freund von Newcastle nach Hamburg fahren. Die Koffer waren schon an Bord. Im letzten Augenblick erklärte der Freund, nicht reisen zu wollen.  Die Reise unterblieb und so entgingen beide einer Katastrophe. Das Schiff hat Hamburg nie erreicht, es blieb verschollen. Es muss nordwestlich von Helgoland in der Nähe der Heulboje Sellebrunnen über die Klippen gefahren sein. Kein Mann der Besatzung wurde gerettet.

Als 1922 die beiden Dampfer Herbert Sauber und Herman Sauber verloren gingen und viele Seeleute den Tod dabei fanden, wollte Herman Sauber für die Hinterbliebenen sorgen. Die Stiftung Sauber Gebr. von 1922 wurde gegründet.

1930

Eine allgemeine Wirtschaftskrise machte sich bemerkbar. Der Kohlenverbrauch sank und die Importmengen gingen von Jahr zu Jahr zurück. Das waren schwere Zeiten für die Firma Sauber. Der Schiffsfriedhof Waltershof wuchs von Woche zu Woche.

1933

Die Firma Sauber & Co. wurde gegründet, die alleinige Besitzerin der Seedampfer wurde. Kohlenlager, Schlepper- und Schutenflotte blieben im Besitz von Sauber Gebr. Die Neugründung erfolgte aus Gründen der Kapitalverteilung. In beiden Firmen war Herman Sauber der persönlich haftende Gesellschafter. 1936 und 1938 traten seine beiden Söhne, Robert und Albert in die Firmen ein.

1935

Herman Sauber überwies anlässlich seiner Silberhochzeit der Stiftung Sauber Gebr., ein Geldgeschenk von 20 000 RM und ließ die Stiftung in eine rechtlich selbständige Institution umwandeln.

1939

Das Firmenjubiläum

Firmenchronik Sauber Gebr. 1839 bis 1939

1939 wurde das 100-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Herman Sauber gab aus diesem Anlass eine Firmenchronik heraus: SAUBER GEBR. 1839-1939.               

 

Herman Sauber betont hier ausdrücklich, dass er ebenso wie seine Gattin Emily, geb. Baur, rein arischer Abstammung seien und die Belegschaft niemals jüdische Mitglieder gehabt hätte.

Ein Album mit Sauber-Schiffen 

erschien zusätzlich

 

 

Der 6. Juli 1939 war der Höhepunkt der Firmengeschichte. 

Der eigentliche Festtag begann mit einem ernsten Auftakt. Herman Sauber legte am Morgen Kränze an den Grabstätten des Gründers der Firma, seines Großvaters, seinen Eltern und des früheren Mitinhabers Ernst J. F. Commentz nieder.

In den Räumen am Alsterdamm (heute Ballindamm) sammelten sich am Vormittag zahlreiche Gratulanten.

 

 

 

Im Elbkurhaus Blankenese wurde dann am Abend in großem Rahmen gefeiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lichtwarkstraße 5

Am Vorabend fand im Haus Sauber in der Lichtwarkstraße 5 ein Festessen für Freunde und englische Geschäftspartner statt. Die 1923 erbaute Villa steht heute unter Denkmalschutz. Sie gehört zu einem dreiteiligen Ensemble sogenannter Hamburger Kaffeemühlen.

Dieses Haus ist verglichen mit den bisherigen Anwesen der Sauber-Eigentümer relativ bescheiden. Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise hatten Abstriche am Lebensstil erzwungen. Hier hat Herman Sauber von 1935 bis 1955 gelebt. Seine Ehefrau Emily ist 1943 hier verstorben, vermutlich an einer Krebserkrankung.

Die Lichtwarkstraße ist nach dem ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle benannt.

Alfred Lichtwark war mit dem Hamburger Kaufmann und Kunstsammler Henry B. Simms befreundet, der 1895 Gertrud Sauber geheiratet hatte, die Schwester von Herman Sauber.

 

Der Zweite Weltkrieg

Stapellauf der Emily Sauber am 24. Februar in Flensburg
Stapellauf der "Emily Sauber" am 24. Febr. 1939 in Flensburg

Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, hatte Herman Sauber seine vier Seeschiffe vorausschauend so disponiert, dass alle in Hamburg in Sicherheit waren. Die Dampfer Emma Sauber, Robert Sauber, Herman Sauber und Emily Sauber blieben bis kurz vor Kriegsende ohne größere Schäden. 

 

 

 

Die Verschärfung des Luftkrieges brachte der Firma schwerste Verluste. Die feindliche Luftwaffe vernichtete Ende Juli 1943 mit vier Großangriffen weite Flächen Hamburgs. Dabei fiel das Kohlenlager in der Osterbekstraße mit allen Gebäuden, Zugmaschinen, Anhängern usw. den Flächenbränden zum Opfer. Von den 14 Zinshäusern, die Herman Sauber in verschiedenen Stadtteilen besaß, wurden 13 getroffen. Einige Häuser wurden total zerstört, andere erlitten schwere Schäden. Darunter auch das Hauptkontor am Rathaus.

Der Kohlenhafen war, wie die meisten Hafenteile, bisher wenig getroffen. 

1944

Hochzeitsfoto
Hochzeitsfoto

Herman Sauber und Angelika Schirmer fanden in dieser schweren Zeit zusammen. Am 24.04.1945 wurde dann die Tochter Micaela geboren. Später wurde geheiratet.

1945

Am 17. Januar 1945 erhielt die Emma Sauber III bei einem Tagesangriff am Kai der Werft Blohm & Voss liegend zwei Bombenvolltreffer und sank im Hafenbecken.

Damit verlor die Reederei Sauber & Co. ihren ersten Dampfer in diesem Krieg.

 

Noch schwerer war der Verlust, als auch das modernste Schiff, die Emily Sauber, verloren ging. Ende April 1945 erhielt die Emily Sauber den Auftrag, Flüchtlinge aus dem Osten zu holen. Ziel war Gotenhafen. Das Schiff war bei der Rückfahrt bis zur Grenze des Fassungsvermögens mit Verwundeten und Flüchtlingen beladen. Kaum hatte der Dampfer die Halbinsel Hela umrundet, griffen russische Flieger an. Zwei Bomben trafen die Emily Sauber. Viele Flüchtlinge und verwundete Soldaten wurden dabei getötet. Der Kapitän setzte das Schiff auf Strand. Dort erhielt es später einen Torpedotreffer, was Totalverlust bedeutete.

Bei der Kapitulation am 8. Mai 1945 besaß die Firma nur noch die beiden völlig intakten Dampfer Robert Sauber und Herman Sauber.

Infolge der Potsdamer Beschlüsse musste allerdings die gesamte Flotte an die Alliierten abgeliefert werden. So stand die Firma am Ende des Krieges letztlich ohne Schiffe da. Ihr großes Kohlelager und der wertvolle Gebäudebesitz waren weitgehend zerstört. Zwei Drittel der Schuten waren vernichtet und der Kohlenhandel fast ganz zum Erliegen gekommen.

Vom Kriegsende bis zum Konkurs

In der Zeit zwischen der Kapitulation im Mai 1945 und der Währungsreform im Juni 1948 gab es nicht viel zu tun für die Firmen Sauber Gebr. und Sauber & Co. Es waren die schwersten Jahre, die die die Firma Sauber im Verlauf ihres mehr als 100-jährigen Bestehens durchzumachen hatte. Die Kohlenlager waren vollständig leer. Der Fuhrpark fast gänzlich vernichtet, der Schuten- und Schlepperpark zu zwei Dritteln verloren,, alle vier Seeschiffe dahin, und die Belegschaft  durch den Krieg stark reduziert und ausgebombt. Handel und Wandel ruhte, nur der Schwarzmarkt blühte.

1946/47

Der Winter 1946/47 war außerordentlich lang und hart. Die Bevölkerung war von Hunger und Kälte zermürbt und versuchte sich illegal Feuerung zu verschaffen. Immer wieder wurden Kohlenzüge beraubt. Durch die Raubzüge entstanden den Kohlenhändlern gewisse Schäden. Noch 1948, als der "Kohlenklau" schon deutlich zurückgegangen war, fehlten Sauber Gebr. vom Ladesoll rund 10 % (1560 to). Hunderte von Jungen und Mädchen standen an den Gleisen und warteten auf die Kohlenzüge. Sie ernährten mit ihren Raubzügen ihre Familien. Kinder, die für eine Handvoll Kohlen ihr Leben riskieren mussten.

Die Währungsreform

Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 besserte sich schlagartig die gesamte Versorgungslage. Die neue Deutsche Mark besaß genügend Kaufkraft und schaltete den Schwarzen Markt über Nacht nahezu völlig aus. Es konnte wieder kalkuliert, geplant und gebaut werden. Die ersten mit englischer Kohle beladenen Dampfer erreichten den Hamburger Hafen. Somit konnten Sauber Gebr. ihr Importgeschäft von englischer Kohle wiederaufnehmen. 

1949

Herman Sauber ließ im Geschäftshaus Ballinamm 26, wo die Firma jahrzehntelang ansässig gewesen war, das zerstörte Stockwerk auf eigene Kosten ausbauen. Das sollte 30 000 DM kosten. Schon ein Jahr nach der Währungsreform, im Juli 1949, konnte die Firma in die hellen, modern ausgestatteten Räume mit herrlichem Blick über die Binnenalster wieder einziehen. 

Hier arbeitete ab 1949 neben dem Seniorchef, den Prokuristen und den Angestellten der älteste Sohn, der Juniorchef Robert Sauber, der gesund aus dem Krieg heimgekehrt war. Er war schon 1940 Teilhaber der Firma geworden. Albert Sauber, der zweite Sohn, war schwer verwundet worden und blieb immer ohne Anteile. Bis zur Insolvenz war er aber in der Firma verantwortlich tätig. Der jüngste Sohn, Herbert Sauber, war 1945 im Lazarett von Flensburg an seinen schweren im Osten erlittenen Kriegsverletzungen  gestorben. Die drei Prokuristen, Henry Döhring, Albert Rinke und Kurt Sietas konnten ihre Tätigkeit wieder voll aufnehmen.

1950

Die Firmenleitung entschloss sich, die im Hamburger Hafen durch einen Luftangriff versenkte Emma Sauber zu heben und zu reparieren. 

Nach der Bergung erhielt die völlig verschlammte Emma Sauber zunächst den Spitznamen Emma Schmutzig. Nachdem sie vom Schlick gereinigt war, wurde aus dem unansehnlichen Wrack wieder ein stattliches Seeschiff. Allerdings wurden noch weitere umfangreiche Maßnahmen nötig. Der Dampfer erhielt ein völlig neues Vorschiff. Modernste technische und nautische Einrichtungen kamen zur Anwendung. Neue Maschinen und Kesselanlagen für Kohlenfeuerung wurden eingebaut. Auch Ankerspill und Deckhilfsmaschinen mussten erneuert werden. Herman Sauber war nun wieder Reeder, nicht nur Kohlenhändler.

Der gehobene und 1950 wieder in Fahrt gesetzte Dampfer Emma Sauber erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen. Er stärkte die Kapitalbildung der Firma. So konnte bei den Lübecker Flender-Werken der Neubau eines Dampfers in Auftrag gegeben werden. Entsprechend der Entwicklung wird er für Ölfeuerung eingerichtet. Ein Kohlendampfer mit Ölfeuerung (!).

 

 

Ende des Jahres 1950 konnte die Firma neben den Bankguthaben u.a.

folgende Sachwerte feststellen:

1 Seedampfer in Fahrt, 1 Seedampfer im Bau,

2 Hafenschlepper, 24 Schuten, 4 Zugmaschinen, 16 Anhänger,

1 Klein-Lastauto,

3 Häuser, 

Kontor-Etage Ballindamm 26.

1951

Neubau "Herman Sauber"

Stapellauf der neuen Herman Sauber bei den Lübecker Flender-Werken
Stapellauf der neuen "Herman Sauber" bei den Lübecker Flender-Werken

1951 wurde der Neubau Herman Sauber in Dienst gestellt. Mit den beiden Schiffen, der alten Emma Sauber und der neuen Herman Sauber, konnte die Hälfte der Vorkriegstonnage erreicht werden.

 

 

Beim Stapellauf durfte die stolze sechsjährige Tochter Micaela ein Gedicht aufsagen. Herman Sauber hatte seinem Lebensmotto von Goethe noch ein paar Zeilen hinzugefügt. 

 

 

 

 

Anschließend hat ihre Mutter Angelika die neue Herman Sauber getauft.

 

Zu dem Vorgang gibt es ein umfangreiches Fotoalbum.

 

 

Nach dem Stapellauf der

Herman Sauber

Inneneinrichtung für Käptn, Offiziere und Passagiere

Die "Mica Sauber"

Die "MIca Sauber" vor England

Dieses Schiff kaufte Herman Sauber 1951 gebraucht und benannte es nach seiner jungen Tochter Micaela. Er war inzwischen in zweiter Ehe verheiratet und wollte wohl seine Liebe und Wertschätzung deutlich machen.

 

Firmenchronik Sauber Gebr. 1939 bis 1951

 

 

 

Als Fortsetzung der Jubiläumsschrift von 1939 erschien Ende 1951 der zweite Band der Firmengeschichte: 

SAUBER GEBR. 1939-1951

 

Hier betont Herman Sauber, dass Inhaber und Prokuristen der Firma niemals Mitglieder der NSDAP waren und sich in keiner Beziehung im nationalsozialistischen Sinne betätigt hatten.

 

 

1952

Im September 1952 wurde Herman Sauber 70 Jahre alt. In Brenners Park Hotel in Baden-Baden wurde im engsten Familienkreis in festlicher Kleidung gefeiert. Auf den Vorhängen - wen wundert es? - sind Segelschiffe zu erkennen. 

von links nach rechts: Anneke Sauber (Ehefrau von Robert), Angelika Sauber, Robert Sauber, Herman Sauber, Marion Sauber (Ehefrau von Albert), Albert Sauber, Micaela Sauber, Albrecht Sauber (Sohn von Robert)
von links nach rechts: Anneke Sauber (Ehefrau von Robert), Angelika Sauber, Robert Sauber, Herman Sauber, Marion Sauber (Ehefrau von Albert), Albert Sauber, Micaela Sauber, Albrecht Sauber (Sohn von Robert)
Hamburg-Wellingsbüttel, Rehmkoppel 29, um 1952
Hamburg-Wellingsbüttel, Rehmkoppel 29, um 1952

Das Tagesgeschäft übernahm nun mehr und mehr Juniorchef Robert Sauber.

Robert und Ehefrau Annecke hatten fünf Kinder. Sie be-zogen 1952 in Wellingsbüttel eine repräsentative Villa.

Zuvor hatte die Familie in einem Etagenhaus in der Rehmkoppel 17 gewohnt.

 

 

 

 

1957

Am 9. Oktober 1957 wurde der letzte Neubau für Sauber & Co. ausgeliefert, die Emily Sauber. Gebaut beim Ottensener Eisenwerk. So fuhren nun wieder drei Schiffe unter der Sauber-Flagge. Allerdings drückte die Schuldenlast schwer. 

Die Emily Sauber 1957 bei der Probefahrt auf der Elbe
Die "Emily Sauber" bei der Probefahrt auf der Elbe im Oktober 1957

Herman J. M. Sauber

Heinrich Rode / Öl auf Leinwand 1955
Heinrich Rode / Öl auf Leinwand 1955

Herman Sauber starb 73-jährig am 10. Nov. 1955.

Seine erste Frau Emily war schon 1943 im Alter von 54 Jahren gestorben. 

Seine zweite Frau Angelika hat ihn um viele Jahre überlebt.

 

1960

in schwerer See ...

Alle Anstrengungen waren vergeblich. Die Schiffe der Reederei mussten 1960 verkauft werden. Die Firmen Sauber Gebr. und Sauber & Co gingen in Konkurs.

... nach mehr als 120 Jahren kam für Sauber das Aus

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